Frühwarnzeichen sozialer Entwicklungsstörungen
Eltern sollten sich in jedem Fall lieber einmal zuviel als zu wenig bei entsprechenden Fachstellen oder beim Kinderarzt melden. Sicherlich hat jedes Kind sein eigenes Entwicklungstempo und es wäre falsch, hier nach Tabellen alles abzufragen und mit dem Alter zu vergleichen. Unnötige Verunsicherung sollte vermieden werden, jedoch die Verantwortung der Eltern ihren Kindern gegenüber gefördert werden. Die Eltern haben ein Recht darauf, in Kenntnis über die kindliche Entwicklung gesetzt zu werden, sodass sie entsprechende Anzeichen einer allfälligen Abweichung baldmöglichst melden könnten.
Leider ist es gängige Praxis, dass den motorischen und sprachlichen Fortschitten in den ersten beiden Lebensjahren weitaus mehr Beachtung geschenkt werden, als der sozial-emotionalen Entwicklung. Und dies von Seiten des Kinderarztes, sowie daraus resultierend auch seitens der Eltern. Mütter unter sich plaudern häufig über die körperlichen Leistungen, die ihr Kind bereits vollbringen kann, es wird verglichen, welches Kind wann sitzen oder laufen gelernt hat. Genauso mit der Sprache: Für viele junge Eltern ist das erste Mama oder Papa ein kleines Wunder und im Grunde ist es auch genau das - ein Wunder der menschlichen Entwicklung, das Erlernen der Sprache ist ein enormer Meilenstein. Daher reden Mütter sehr oft über die Dinge, die offensichtlich sind.
Aber nochmals zu den untereinander heimlich konkurrierenden Mütter, deren Babys gerade laufen oder sprechen lernen: Welche Mutter käme auf die Idee, eine andere zu fragen, ob denn ihr Kleines auch bereits auf Objekte zeige, um ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken? Oder ob das Kind der anderen Frau auch bereits Gesten zu seinem Geplapper verwende oder ob es schon gewisse Tätigkeiten der Bezugspersonen nachahme? Ich denke, diese Gespräche gehören zu der Minderzahl, obwohl die genannten Fähigkeiten äusserst wichtige Milestones der Sozialentwicklung darstellen. Dennoch wird soziales Verhalten bei Babys verhältnismässig wenig angesprochen. Mit vielleicht wenigen Ausnahmen, wie z.B. das erste Lächeln oder das Winken in einer sozialen Situation. Aber über subtilere, weniger offensichtliche Verhaltensmerkmale diskutieren Eltern selten.
Anzustreben wäre also eine Sesibilisierung der Eltern für soziale Verhaltensweisen ihrer Kinder. Hierfür wäre es wünschenswert, dass Kinderärzte frischgebackenen Eltern ein Merkblatt abgeben könnten, welches untenstehende Frühwarnzeichen ca. ab dem 1.Geburtstag beschreibt.
Bitte zutreffende Warnzeichen ankreuzen
- wenig Interesse für die Umwelt
- ausdruckslose Mimik, grundloses Grimassieren
- durch Gesichter hindurchsehen, anstatt Bezugspersonen anzulächeln
- Eindruck einer Hörschwäche, reagiert nicht auf eigenen Namen
- abweisend gegenüber Zärtlichkeiten
- Rückzug, Abkapselung
- kein Nachahmen
- kein Mitteilungsbedürfnis
- unbegründete Ängste
- ständig unruhig, innerlich getrieben
- oft Zehenspitzengang, immer in Bewegung oder lange aussergewöhnlich passive Phasen
- kein längeres Beschäftigen mit etwas
- Zwänge
- mag stereotype, sich wiederholende Tätigkeiten
- an Objekten interessiert, v.a. technische
- Belecken, Beriechen oder Beklopfen von Gegenständen
- allein stets zufrieden
- beharrt auf Gewohnheiten
- Panik bei Veränderungen
- grundlose Wutanfälle, Aggressionen
- selbstverletzendes Verhalten, sich beissen, schlagen, kratzen..
- nimmt Bezugsperson an der Hand, um etwas zu zeigen
- kaum Sprachverständnis
- Echolalie: wiederholt Frage, anstatt zu antworten (ab 36 Mt. relevant)
- spricht von sich selbst als "du" (ab 36 Mt. relevant)
Weitere Checklisten
Sehr viele Beispiele praxisrelevanter Fragebögen zur Autismus-Diagnostik finden Sie auf der folgenden Seite:
Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst, Kt. ZH
