Einige Sätze über mich
Nadine Trefzger Autismus-Beraterin, Autorin und Mutter zweier Kinder (ein autistischer Sohn)
Mein Name ist Nadine Trefzger, ich bin 30 und wohne mit meinem Mann und unseren beiden Kindern im Kanton Aargau. Wir haben einen 8-jährigen, autistischen Sohn und eine 5-jährige Tochter. Den Autismus unseres Sohnes betrachten wir nicht (mehr) als Hindernis, sondern als Chance, mehr über eine uns bisher unbekannte Welt zu erfahren...
Mein beruflicher Werdegang
| Zeitraum | Art der Aus-/Weiterbildung und aktuelle Tätigkeit |
| Seit Aug. 2009 | Informieren interessierter Gruppen über ASS, Vorträge, Einzelberatungen betroffener Familien |
| 08.2009 | Veröffentlichung meines ersten Buches Alles ausser gewöhnlich - Autismusspektrum und die Förderung mit dem multimodalen Modell |
| Seit 2007 | Selbständige Autorin, zweifache Mutter & Hausfrau |
| Seit Nov. 2005 | Organisation und Entwicklung der Autismus-Therapie unseres Sohnes, Autismus-spezifische Fortbildungen (Besuch von Fachtagungen, Workshops, Symposien) |
| 2005 | Traditionelle chinesische Akupunktur IK & Naturheilkunde IK, Wuppertal |
| 2004 | Psychotherapeutische Heilpraktiker-Ausbildung, Institut Kappel |
| 1999 | dipl. Fussreflextherapeutin, Ausbildungszentrum TaoChi, Zürich (berufsbegleitend) |
| 1998 | Grundkurs Toach for Health I (Kinesiologie) bei Frau Katleen de Siena, Urdorf (berufsbegleitend) |
| 1998 | Abschluss meiner Ausbildung zur eidg. dipl. MPA: Erfahrungen während 4 Jahren in allgemein-medizinischer, internistischer, gynäkologischer und dermatologischer Praxis |
Autismus-spezifische praktische Weiterbildung
Geborgenheit und Liebe braucht jedes Kind
Während der Autismus-Therapie unseres Sohnes habe ich mich grösstenteils selbst weitergebildet, indem ich Fachbücher und natürlich das Internet als Informationsquelle (v.a. im amerikanischen Raum) benutzt habe (siehe Links). Ausserdem hatte ich eine wertvolle Supervisorin (eine Kinderpsychologin), die uns anfangs sehr intensiv in die Behandlungsmethoden eingeführt hatte, und ihre Hilfestellung allmählich zurückgenommen hat. Dadurch konnte ich mich verstärkt in die Themenbereiche vertiefen und erhielt zunehmende Kompetenz im Therapiecoaching. Das anfangs von der Supervisorin abhängige Programm konnte ich nach einiger Zeit eigenständig ausbauen und trug die Verantwortung über Ablauf und Aktualisierung. Gleichzeitig wollte es der Zufall so, dass unsere Supervisorin aufgrund beruflicher Veränderungen, sowie geografischer Umständlichkeiten, ihre Tätigkeit immer mehr einschränken musste. Dementsprechend wurde ich noch selbständiger in Umsetzung und Organisation der Therapie. Die Zeitabstände der Supervisions-Workshops wurden von anfänglich jeden Monat auf schlussendlich alle drei Monate ausgedehnt.
Sehr wertvoll in der gesamten Zeit waren für mich die Kontakte mit unserer Supervisorin, einer Kinderpsychologin. Sie konnte Unsicherheiten meist beheben und war stetige Ansprechperson bei auftauchenden Fragen bezüglich Therapie oder bzgl. dem Autismusverhalten unseres Sohnes. Als erfahrene Fachperson motivierte sie mich stets von Neuem und betonte wiederholt die aussergewöhnlich raschen und tiefgreifenden Veränderungen, die wir mit unserem entwickelten multimodalen Ansatz erreichen konnten.
Nebst der Kinderpsychologin kamen auch von Seiten anderer Fachpersonen (Kinderpsychiaterin, Ergotherapeutin, Kindergärtnerin), sowie von Bekannten und Verwandten viele positive Rückmeldungen und Ideen. Diese veranlassten mich, mich noch tiefer mit der Materie der autistischen Persönlichkeit auseinanderzusetzen und bestärkten mich im Vorhaben, mein Modell zu optimieren und auszubauen, damit das Programm auch anderen autistischen Kindern und ihren Eltern angeboten werden kann.
Die praktische Anwendung meiner definierten Ansätze prüfte ich selbst mit unserem Sohn oder liess meine Ideen durch die Therapeutinnen umsetzen. So kann und konnte ich stets evaluieren, ob die kombinierten Methoden auch praktikabel und wirkungsvoll eingesetzt werden können. Die drei Therapeutinnen konnten immer wieder interessante, wertvolle und äusserst produktive Feedbacks geben. Dank dieser Konstellation unseres Teams war eine bestmögliche Optimierung des Programms realisierbar.
Positive Erfahrungen nutzten wir, um das Modell dort weiterzuentwickeln und zu verbessern. Bei negativen Feedbacks hatte sich das entsprechende Element nicht bewährt und wurde entfernt. Erstaunlicherweise mussten wir das Konzept nur selten ändern, da das Programm nie länger als einige Tage stagnierte. Ich bin sicher, dies lag hauptsächlich an der idealen Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen uns Eltern und den drei Therapeutinnen, sowie der engen Beziehung der Therapeutinnen zu unserem Sohn.
Aus diesen praktischen und theoretischen Erfahrungen heraus entstand schliesslich mein Buch 'ALLES AUSSER GEWÖHNLICH'.
Warum ich selbst nun vieles besser verstehen kann
Schon früher neigte ich dazu, jede Kleinigkeit eines mich interessierenden Themas wissen zu wollen. Ich las schon als Kind medizinische Ratgeber, studierte anatomische Tafeln in Gesundheitsbüchern und saugte sämtliche damit verbundenen Informationen wie ein Schwamm auf. Durch dieses beinahe obsessive Beschäftigen seit jeher mit den Gebieten "Medizin" und "Psychologie" konnte ich mir ein sehr breites Wissen darüber aneignen. Ich spürte stets den Drang, Zusammenhänge begreifen zu wollen, Verknüpfungen zwischen verwandten Themen zu erfassen und mich noch stärker mit einem bestimmten Aspekt zu befassen.
Genauso ging es mir auch nach der Diagnosestellung unseres Sohnes, wobei in diesem Fall natürlich auch der Mutterinstinkt als zusätzlicher "Katalysator" diente. Ich suchte derart ausdauernd nach verbesserten Therapie-Möglichkeiten für autistische Kinder, dass ich schliesslich ein ganzes Gefüge von vernetzten Informationen zusammengetragen hatte, ohne mir dessen richtig bewusst gewesen zu sein. Mittlerweilen glaube ich, dass diese aussergewöhnlich intensive Auseinandersetzung mit einem spezifischen Thema, sowie meine sehr rasche Auffassungsgabe für neue Fakten dieses Gebietes, ihren Ursprung in einer leichten Asperger-Veranlagung meinerseits haben könnte...
In meiner Kindheit zeigte ich ein einsiedlerisches Verhalten, was sich eigentlich erst ab der Pubertät geändert hatte. Zuvor war ich zwar durchaus ein glückliches Kind, fühlte mich aber immer "irgendwie anders" als die anderen. Meine Mutter machte sich häufig Sorgen um meine Art, meine manchmal komisch anmutenden Verhaltensweisen. Viele der damaligen Verhaltensweisen, an die ich mich noch erinnern kann, würde ich aus heutiger Sicht als "leicht autistisch" einstufen.
Auch heute bin ich eine Person, die laut Aussagen meiner Familie, teilweise aussergewöhnliche Reaktionen zeigt. Ich schätze mich zwar als sehr empfindsamen Menschen ein, dennoch fällt es mir manchmal schwer, zu erkennen, wann etwas für andere verletzend wirken kann. Ich bin manchmal sehr direkt und werde dadurch missverstanden. Einige Freundschaften gingen deswegen zu Bruch.
Spontan Blickkontakt aufzunehmen fällt mir bis heute schwer und ich ziehe es vor, unbekannte Menschen aus der Distanz zu beobachten, anstatt mit ihnen zu interagieren. Deswegen konzentriere ich mich seit jeher bei jedem Gespräch bewusst darauf, meinen Gesprächspartner ab und zu anzusehen. Solche Automatismen sind mir erst bewusst geworden, als ich mich näher mit ASS beschäftigt habe, und mich dabei mit vielen Beschreibungen identifizieren konnte. Allerdings scheinen sich meine "autistischen Ausprägungen" bis heute weitgehend zurückgebildet zu haben bzw. ich habe genügend Kompensationsmöglichkeiten gefunden, sodass ich hier auch nicht mehr näher darauf eingehen möchte.